Es wird immer wieder über zu hohe Parkgebühren in der Innenstadt geklagt – dabei könnte es Lösungen geben

Nürtinger Zeitung vom 20.10.2018, von Philip Sandrock, Foto: Holzwarth

Wer in Nürtingen einen Parkplatz sucht wird zwar schnell fündig, muss mancherorts aber tief in die Tasche greifen. Das ärgert nicht nur die Bürger, sondern auch die Einzelhändler in der Innenstadt. Dabei gäbe es Lösungen für das Problem – dafür müssten sich Parkhausbetreiber und die Gewerbetreibenden vor Ort nur einig sein.

NÜRTINGEN. Wenn man Gudrun Klopfer auf die Parksituation in Nürtingen anspricht, klingt sie fast ein wenig frustriert: „Wir kriegen es in Nürtingen einfach nicht hin, ein einheitliches Angebot zu machen“, sagt die Geschäftsführerin des Vereins Citymarketing. Parkplätze gäbe es in Nürtingen genug. Allerdings seien fast alle Stellplätze in der Innenstadt kostenpflichtig. Außerdem fehle es an besucherfreundlichen Angeboten in den Parkhäusern. Auch gebe es nur ein unzureichendes Angebot an Abendpauschalen, beispielsweise für Gäste, die abends in der Stadt ausgehen wollen.

Insbesondere zwei Parkhäuser hätten in jüngster Zeit stark mit den Preisen angezogen, sagt der Werbering-Vorsitzende Frieder Henzler. Zwei Euro pro Stunde würden in der Tiefgarage der Kreissparkasse und im Parkhaus Stadtmitte neben der Stadthalle K3N fällig. Da könne bei einem Stadtbummel schon einiges an Parkgebühren zusammenkommen. Ganz zu schweigen von Patienten, die einen Arzttermin haben. Dort könnten schnell einige Stunden verstreichen, ehe man das Parkhaus wieder verlässt.

In Esslingen oder Reutlingen zahle man weniger, sagt Klopfer. Das bestätigt auch der Geschäftsführer der Firma Parkservice Hüfner (PSH), Frank Rothardt. Seinem Unternehmen gehört das Parkhaus Stadtmitte und es betreibt die Parkflächen unter dem Kaufland. In Reutlingen koste die erste Stunde genauso viel wie in Nürtingen. Ab der zweiten Stunde werde es günstiger. „In unseren direkten Nachbarstädten ist es sogar noch günstiger“, sagt Klopfer. In Kirchheim betreibe die Stadt zwei eigene Parkhäuser, und in Metzingen sei das Parken rund um die Outlet-Geschäfte sehr kostengünstig.

Dass man fürs Parken bezahlen müssen, daran hätten sich die meisten bereits gewöhnt, sagt Werbering-Chef Henzler. Doch die hohen Preise ärgerten die Menschen. Beim Einkauf in Geschäften von Werbering-Mitgliedern könne man sich einen Teil der Parkgebühren erstatten lassen, sagt Henzler. Die Teilnahme der Mitglieder sei allerdings freiwillig.

Es sei nicht zielführend, dass nur die Händler in der Hölderlinstadt das Parken subventionierten. „Die Dienstleister, Gastronomen und Ärzte bleiben da außen vor“, so Henzler. „Wir würden gerne etwas an den Parkgebühren ändern, aber wir schaffen das nicht alleine“, so der Werbering-Vorsitzende.

Bei den Parkhausbetreibern – zumindest den privaten – beiße man auf Granit, wenn man sie auf das Thema anspreche, sagt Klopfer. Und auch die Alternative, nämlich dass die Stadt die Parkhausbetreiber subventioniere, um günstigere Preise anzubieten, sei angesichts der Haushaltslage in der Stadtkasse keine realistische Option.

Ein derartiger Ansatz sei überhaupt keine Möglichkeit, sagt PSH-Chef Rothardt. Er habe selbst einen Fall gehabt, in dem eine Stadt im Großraum Stuttgart die Einzelhändler mit einem Zuschuss für die Parkgebührenerstattung unterstützte. Das habe Ärger mit der Kommunalaufsicht gegeben, da es sich um eine unzulässige Subventionierung handele.

Anders sieht das aus, wenn man wie sein Unternehmen ein Parkhaus im Auftrag eines anderen betreibe: So erlasse beispielsweise der Kaufland-Markt für Kunden die Parkgebühren für die ersten 90 Minuten. Ansonsten werden zwei Euro pro Stunde fällig. „Diese Preise gibt uns Kaufland vor“, sagt Rothardt.

Die Kreissparkasse hat vor gut zwei Jahren die Parkgebühren praktisch verdoppelt – „zum ersten Mal seit 16 Jahren“, wie Sparkassensprecher Odin Hug betonte. Der Grund sei gewesen, dass die 60 Stellplätze dort oft von Dauerparkern belegt worden seien. Sie hätten wegen der günstigen Parkgebühren oft fünf oder mehr Stunden in der Tiefgarage geparkt. Wer dort weniger als 15 Minuten parkt bezahlt gar nichts. So könne man kleinere Besorgungen oder einen Gang zum Geldautomaten ohne zusätzliche Kosten erledigen, sagt Hug.

Einen anderen Weg geht die Stadt Nürtingen mit der Rathaus-Tiefgarage. Die Parkplätze dort sind seit 1991 gebührenpflichtig. Die letzte Preiserhöhung gab es im Jahr 2009. Seitdem kosten 25 Minuten dort 50 Cent – rechnerisch macht das pro Stunde also 1,20 Euro. Allerdings wird nicht minutengenau abgerechnet, sodass für eine Stunde 1,50 Euro fällig werden.

Auch die Stadtwerke betreiben ein Parkhaus in Innenstadtnähe: das Parkhaus Gasfabrik/Bahnhofstraße. Der Abrechnungsmodus ist ähnlich wie im Rathaus: Pro 25 Minuten werden 50 Cent fällig – für die Stunde (hier sind es 75 Minuten) zahlt der Autofahrer 1,50 Euro. Beide Parkhäuser bieten einen vergünstigten Nachttarif an.

„Wir betrachten unser Parkhaus als Bürgerservice“, sagt Stefanie Pfeiffer von der Nürtinger Stadtkämmerei. Für die Rathaustiefgarage gebe es keine Vorgabe, kostendeckend zu arbeiten – und das sei auch gar nicht möglich. Denn die Einrichtung sei in erster Linie als Angebot für die Bürger gedacht, die ihre Behördengänge erledigen müssen, sowie für Besucher der Stadtbücherei und des Bürgertreffs.

Das Stadtwerke-Parkhaus muss seine Kosten jedoch wieder einspielen: „Es macht uns nicht glücklich, aber wir legen auch nicht drauf“, sagt der Finanzchef der Stadtwerke Hans Sigel. Das Parkhaus könne seine Kosten selbst erwirtschaften – allerdings nicht nur durch die Kurzzeitparker. 60 der insgesamt 113 Stellplätze sind an Dauerparker vermietet, die in der Innenstadt ihre Büros, Praxisräume oder Geschäfte haben. Außerdem werde ein Teil der Fassade als Werbefläche vermarktet.

Etwas unkalkulierbar sei die Zahl der Stellplätze im Winter: Bei Schnee und Glatteis sei das oberste Parkdeck gesperrt – dann gebe es deutlich weniger Kurzzeit-Parkplätze, so Sigel.

Stadtwerke-Chef Volkmar Klaußer betont, dass einer der größten Kritikpunkte der Kunden sei, dass man am Automaten dort nicht bargeldlos bezahlen könne. Doch das könne sich bald ändern. Es sei angedacht, die Schrankenanlage und damit auch den Automaten eventuell zu erneuern.

Eine solche Anlage gibt es im Parkhaus Stadtmitte bereits. Technisch sei die Anlage außerdem zu weitaus mehr imstande, betont Rothardt. So könne die Parkgebührenerstattung auch über die Kassenbelege der Geschäfte erfolgen oder über Ausfahr- und Rabatttickets, die Dienstleister ausgeben. Der Kunde könnte am Automaten einen QR-Code auf seinen Einkaufsbeleg scannen lassen und bekomme dann direkt den mit dem Einzelhändler vereinbarten Nachlass abgezogen.

Alternativ könnten Dienstleister oder Ärzte Rabatttickets an ihre Kunden oder Patienten ausgeben. Die Kosten könnten die Unternehmen dann direkt mit dem Parkhausbetreiber abrechnen. „In anderen Städten funktioniert das sehr gut“, sagt Rothardt. „Wir können da gerne Angebote machen“, sagt der PSH-Geschäftsführer. Man sei offen für Verhandlungen.

Vergünstigter Nahverkehr als Lösung?

Man könnte statt mit dem Auto auch mit dem Bus in die Stadt fahren. Ein Anreiz, mit dem öffentlichen Nahverkehr in die Stadt zu fahren, sei derzeit nicht geplant, sagt Andreas Teufel von der Stadtverwaltung. In Städten wie Herrenberg, Marbach oder Ludwigsburg gibt es sogenannte Stadt-Tickets, die in einem Modellversuch des VVS erprobt werden.

Dort gelte dann im ganzen Stadtgebiet ein stark vergünstigter Tarif. Für die Kosten müsse allerdings die Kommune aufkommen, sagt Teufel. Im Nürtinger Gemeinderat sei die Einführung eines solchen Tickets in der Haushaltsdebatte beantragt worden. Es habe dafür jedoch keine Mehrheit gegeben.

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Nürtinger Zeitung vom 20.10.2018, Von Philip Sandrock
Foto: Holzwarth