22.12.2017, Von anneliese Lieb

Gudrun Klopfer vom Verein Citymarketing berichtete im Gemeinderat über Innenstadtentwicklung und leerstehende Geschäfte

„Laden zu vermieten“ – beim Bummel durch die Nürtinger Innenstadt fallen Kunden nicht nur ansprechend dekorierte Schaufenster auf, sondern auch eine ganze Reihe Leerstände. Dieser Negativentwicklung versucht Gudrun Klopfer vom Verein Citymarketing entgegenzuwirken. Sie spricht mit interessierten Händlern und vermittelt Kontakte zu den Ladenbesitzern.

NÜRTINGEN. Zusammen mit dem Amt für Stadtmarketing, Wirtschaft und Tourismus beobachtet Gudrun Klopfer die Entwicklung in der Innenstadt sehr genau. Zeichnen sich Geschäftsschließungen ab, sucht sie das Gespräch mit den Immobilienbesitzern und bemüht sich um Nachfolgeregelungen. Dass dies in Nürtingen ein sehr trockenes Brot ist, berichtete Gudrun Klopfer am Dienstag im Nürtinger Gemeinderat. Auf Anregung aus dem Ratsgremium kommt das Thema Innenstadtentwicklung jetzt regelmäßig auf die Tagesordnung.

Dass Geschäfte in bester Innenstadtlage leer stehen, beobachten Stadtverwaltung und Gemeinderat mit großer Sorge. Klopfer berichtete am Dienstag über ihre Bemühungen, für ein ehemaliges Schuhgeschäft an der Ecke Kirchstraße/Neckarsteige einen Mieter zu finden. Möglicherweise, so ihre Hoffnung, komme es bis Ende der Woche zu einer Vertragsunterzeichnung. Ein möglicher Interessent sei auch das Schulwerk Mitte, das Teilflächen anmieten wolle. Das wiederum ist nicht im Sinne des Einzelhandels. Man ist sich einig, dass Ladengeschäfte in der Innenstadt als Handelsflächen genutzt werden sollten. „Wir versuchen, dem Schulwerk eine Alternativimmobilie am Rand der Innenstadt anzubieten“, so Klopfer.

Enttäuscht ist die Geschäftsführerin des Vereins Citymarketing letztlich auch darüber, dass all ihre Bemühungen, das ehemalige Schuhgeschäft wieder zu beleben, bisher ins Leere gelaufen sind. Dabei sei die Zahl der Interessenten nicht gerade gering: „Da reichen die Finger an meinen beiden Händen nicht aus.“ Gescheitert, so Klopfer, seien die Gespräche entweder an zu hohen Mietforderungen oder weil die Flächen nicht ideal seien.

Mehrere Immobilien zu größeren Handelsflächen zusammenfügen

Dies freilich ist nur ein Beispiel dafür, dass es sehr schwierig ist in Nürtingen, die Leerstände wieder mit Leben zu füllen. Dass Immobilienbesitzer oft nicht bereit sind, ihre Mietforderungen nach unten zu korrigieren, ist für die Geschäftsführerin des Citymarketingvereins, der in Sachen Leerstände in der Innenstadt eng mit dem Amt für Stadtmarketing, Wirtschaft und Tourismus zusammenarbeitet, sehr bedauerlich.

Parallel zur Wiederbelebung von Geschäften arbeite man auch an einer Art Carree-Bildung, so Klopfer. Versucht wird, mehrere Immobilien zusammenzufügen, um größere Handelsflächen zu generieren. Im Gespräch, so Klopfer sei man zum Beispiel mit Haus- und Grundstücksbesitzern in der Markt- und Apothekerstraße und in der Östlichen Kirchstraße. Klopfer berichtete auch über die jüngste Entwicklung im NC (siehe oben stehenden Artikel).

Auf Dr. Hillers Nachfrage, wie sie die Situation in Nürtingen insgesamt beurteile, sagte Klopfer, dass sie bei den Immobilienbesitzern eine Aufbruchstimmung feststelle. Dies bestätigte auch Oberbürgermeister Heirich, der von Reaktionen aus dem Kreis von Grundstücks- und Immobilienbesitzern berichtete, die erkannt hätten, dass sie sich bewegen müssten. „Wir haben positive Rückmeldungen bekommen.“ Heirich hofft, dass es auch in Nürtingen gelingt Hausbesitzer zusammenzubringen, um größere Handelsflächen anbieten zu können, um dann auch größere Handelsunternehmen für den Standort Nürtingen zu gewinnen.

Die Einzelhandelslandschaft, so Heirich, sei nicht nur in Nürtingen im Umbruch. „Wir stehen nicht allein, das ist aber auch nicht beruhigend“.

Um in Sachen Stärkung der Innenstadt voranzukommen, hat der Gemeinderat im Oktober ein Büro aus Villingen-Schwenningen mit der Erarbeitung eines Stadtmarketingkonzeptes beauftragt. Raimund Braun (NT14) regte an, Immobilienbesitzer zu den Veranstaltungen mit Professor Alexander Doderer einzuladen. Das ist längst passiert. Mitte Januar findet bereits der erste Workshop mit Immobilienbesitzern statt. Auch Professor Fischers Anregung, die Hochschule ins Boot zu holen, haben Gudrun Klopfer und Bärbel Igel-Goll vom Amt für Stadtmarketing, Wirtschaft und Tourismus bereits umgesetzt. „Wir sind im Austausch mit Professor Funk und Professor Ramme.“

Thaddäus Kunzmann (CDU) sprach noch das Thema Parkgebühren an. Die seien in Nürtingen immens gestiegen. „Wer zwei Stunden den Weihnachtsmarkt besucht zahlt im Parkhaus Stadtmitte fünf Euro.“ Es sei schwierig, mit dem dortigen Betreiber eine Lösung zu finden, sagte der OB.

Gudrun Klopfer berichtete, dass man im Gespräch mit dem Kaufland sei, damit dieses Parkhaus abends länger und eventuell auch am Wochenende geöffnet werde.