Nürtinger Innenstadtbelebung als zentrale Aufgabe –
OB Fridrich wirbt bei Citymarketing

NTZ 02.09.2020 05:30, Von Anneliese Lieb

OB Fridrich warb beim Verein Citymarketing für gemeinsame Aktivitäten, um Besucherfrequenz in Nürtingen zu erhöhen

Gastronomie und Einzelhandel blicken auf schwierige Monate zurück. Die Corona-Pandemie und der Lockdown haben für dramatisch gesunkene Umsatzzahlen gesorgt. Aktivitäten, um die Besucherfrequenz in der Nürtinger Innenstadt zu erhöhen, nannten der Vorsitzende des Vereins Citymarketing, Manfred Graß, und OB Fridrich jetzt bei der Mitgliederversammlung.

NÜRTINGEN. Rund die Hälfte der insgesamt 37 Mitglieder nahm am Montag an der Mitgliederversammlung des Vereins Citymarketing Nürtingen im Fritz-Ruoff-Saal der Kreissparkasse teil – die wegen der Pandemie von März auf August verschoben worden war.

Welche Aktivitäten 2019 gut gelaufen sind, zeigte Citymarketing-Geschäftsführerin Gudrun Klopfer auf. „Shoppen und Schlemmen“ war sehr erfolgreich. Und mit den Aktivitäten rund um „Nürtingen klingt gut“ sei es gelungen, die Verweildauer der Besucher in der Innenstadt zu erhöhen. „Als Ergänzung zum Weihnachtsmarkt wurde der Weihnachtshüttentreff sehr gut angenommen“, so die Geschäftsführerin. Klopfer listete auch weitere Aktivitäten auf, wie etwa die Stromkastenverschönerung, Leerstandsmanagement in der Innenstadt, Gespräche zur Quartiersbelebung, Kooperationen mit der Hochschule oder Gespräche mit Immobilienbesitzern. Vom Virus ausgebremst wurde die Digitalisierungsstrategie mit der Einführung einer City-Vorteilscard. Ein Thema, das neu aufgelegt werde, versprach Klopfer.

Wie hart der Lockdown Handel und Gastronomie getroffen hat, betonte Citymarketing-Vorsitzender Manfred Graß. Er erwähnte die Werbering-Aktion „#NThältzusammen“, die von Citymarketing finanziell unterstützt und für die Gastronomen um die Möglichkeit ergänzt wurde, über die Internetseite des Vereins Speisen und Getränke außer Haus anzubieten.

Nach dem Lockdown war „#NTkauftlokal“ mit der Bon-Aktion ein großer Erfolg. „Ich könnte mir vorstellen, so eine befristete Aktion wieder einmal durchzuführen“, regte Graß an. Was die Pandemie darüber hinaus zutage gebracht habe war, so Manfred Graß, „dass eine intensive Zusammenarbeit zwischen Werbering und Citymarketing immens wichtig ist“. Daraus könnte sich eine intensivere Zusammenarbeit ergeben. „Wir als Citymarketing und der Werbering führen zurzeit intensive Gespräche, wie wir unsere Zusammenarbeit verbessern und intensivieren können“, zeigte der Vorsitzende aktuelle Entwicklungen auf.

Aktuell viele Entwicklungen, die OB Fridrich positiv stimmen

Dass alle Akteure in der Stadt gemeinsam an einem Strang ziehen, das ist auch dem Nürtinger OB ein großes Anliegen. Er hatte eigens seinen Urlaub unterbrochen, um der Mitgliederversammlung beiwohnen zu können. „Weil wir gemeinsam das gleiche Ziel, die Innenstadtbelebung, verfolgen.“ Als großer Fan der sozialen Medien hat Fridrich mit Freude festgestellt, dass der Citymarketingverein jetzt auch in Instagram und Facebook vertreten ist.

Wie geht es mit Covid-19 im Herbst und Winter weiter? Diese Frage beschäftigt auch den Nürtinger Rathauschef. Er könne natürlich nicht in die Glaskugel schauen, sagte Fridrich, aber bei allen verständlichen Sorgen und Nöten versuche er Zuversicht zu vermitteln. Dabei blickt er freilich nicht nur „durch die rosarote OB-Brille“, sondern stützt sich auf aktuelle Entwicklungen „Es gibt derzeit viel Bewegung in der Stadt, beim Werbering haben alle inmitten der Coronakrise von einer Aufbruchsstimmung berichtet. Und tatsächlich gibt es viele Entwicklungen, die mich optimistisch stimmen.“ Welche Faktoren sind das? Die neue Fußgängerzone, die früher fertig werden soll oder das durchaus gute Warenangebot in Nürtingen. Von der Brille bis zur Unterhose hat Fridrich alles, was er am Montag getragen hat, in Nürtingen gekauft. Sein Appell an alle Nürtinger: „Sei loyal, kauf lokal“, getreu dem Motto des Citymarketingvereins.

Fridrich räumte indes ein, dass in Kirchheim in der Fußgängerzone mehr Passanten unterwegs sind als in Nürtingen. Weil noch Luft nach oben ist, will er alles dafür tun, dass sich die Besucherfrequenz mittelfristig erhöht. Große Hoffnungen setzt er auf die S-Bahn und den Metropolexpress.

Frequenz bringe aber auch Gastronomie, sagte Fridrich und zählte die Eiscafés auf, die sich in jüngster Vergangenheit in Nürtingen angesiedelt haben. Weiterer Beitrag zur Unterstützung der Gastronomen: Verzicht auf die Sondernutzungsgebühr in diesem Jahr. „Und in diesem Winter bin ich dafür, dass wir Heizpilze erlauben, damit die Außenflächen genutzt werden können.“ Die Order an das Ordnungsamt für einen liberaleren Kurs sei bereits ergangen. Weitere Projekte, die Nürtingen voranbringen sollen: der Stadtbalkon, die Bahnstadt, das Sanierungsgebiet Schlossberg und die Belebung des NC. Auch vom umgebauten Hölderlinhaus als VHS-Domizil verspricht er sich mehr Frequenz für die Stadt und die Neckarsteige.

Die Innenstadtbelebung nannte Fridrich als eine der zentralen Aufgaben. Deshalb habe er seine persönliche Assistentin Annelie Frantz nicht nur mit der Projektleitung des Balkons, sondern auch mit der Erarbeitung eines Einzelhandelskonzeptes betraut.

„Ich sehe die Stadt als Dienstleister, auch für die Einzelhändler, Marktbeschicker und Gastronomen.“ Dass es zwischen Citymarketing und Werbering Bestrebungen gebe, die Kräfte zu bündeln, begrüßt der Verwaltungschef. Er versprach, das Budget, das die Stadt für das Citymarketing bereitstelle, auch in schwierigen Zeiten nicht verkleinert werde.

Sorgen macht Manfred Graß, dass die Kunden während des Lockdowns online eingekauft haben. Darunter leidet der örtliche Einzelhandel. „Die Kundschaft wurde vom stationären Einkauf entwöhnt und braucht neue Impulse, um die Innenstädte neu zu entdecken.“

Aufgabe müsse es deshalb sein, „die Innenstadt als gemeinsame Bühne gestalten und mit Kultur, Kunst, Gastronomie, Sport, Schaustellern und Handel immer wieder zu zeigen, dass wir eine lebendige Innenstadt haben, in der es sich aufzuhalten lohnt“. Zusätzlich ein notwendiger Faktor: der Branchenmix. Nur durch ständigen Kontakt mit Eigentümern und Vermietern könne man auf Veränderungen reagieren und die Ansiedlung von Wettbüros verhindern.

Geschäftsführerin Gudrun Klopfer zieht sich zum Jahresende zurück

Großes Bedauern äußerte Graß über den Rückzug von Geschäftsführerin Gudrun Klopfer. Sie wird aus persönlichen Gründen ihre Arbeit zum Jahresende beenden. „Eine Nachfolgeregelung ist noch nicht getroffen, aber dies werden wir in den nächsten Wochen intensiv mit dem neuen Vorstand besprechen.“ Graß dankte Klopfer für ihr Engagement mit einem Blumenstrauß.

Reine Formsache waren die Wahlen. Vorsitzender Manfred Graß wurde einstimmig im Amt bestätigt. Der Citymarketing-Vorstand setzt sich zusammen aus: OB Fridrich, Frank Schweizer, Thomas Holzwarth, Volkhard Priß, Sime Ukalovic, Gebhard Schweizer und Manfred Graß.

Dem Beirat gehören Dr. Volker Steinhübel, Michael Handte, Susanne Ackermann, Jörg Hauber, Christian Fritsche und Susanne Weiher an. Die neuen Rechnungsprüfer sind Markus Einsele und Peter Baumann.