Nürtinger Zeitung 13.06.2018, Von Uwe Gottwald

Nürtinger CDU-Stadtverband lud zum Podiumsgespräch und fordert weiteren Ausbau der Fußgängerzone mit dem Schillerplatz

Nach Kriterien für eine attraktive Nürtinger Innenstadt fragte der CDU-Stadtverband bei seiner Informationsveranstaltung am Montagabend im Stadtbüro unserer Zeitung Am Obertor. Circa 80 Interessierte folgten den Ausführungen von Vertretern der Stadt, von Planungsbüros und des Vereins Citymarketing, die eine Neugestaltung des Schillerplatzes hervorhoben.

Am Podium im Gespräch (von links): Sigurd Henne, Carolin Deberling, Matthias Hiller, Bärbel Igel-Goll, Gudrun Klopfer, Martin Dahl und Frank Schweizer. Foto: Holzwarth

NÜRTINGEN. CDU-Stadtrat Matthias Hiller begrüßte als Moderator der Veranstaltung und dankte Verlags-Geschäftsführer Christian Fritsche, der die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hatte. Fritsche erinnerte daran, dass Nürtingen im Vergleich zu umliegenden Städten beim Pro-Kopf-Umsatz in den letzten zehn Jahren abgehängt worden sei.

Ein Hauptanliegen der CDU-Gemeinderatsfraktion zur Aufwertung der Innenstadt sei es, den zweiten Bauabschnitt zur Neugestaltung der Fußgängerzone, der den Schwerpunkt auf den Schillerplatz legt, so bald wie möglich in Angriff zu nehmen, so Hiller. Dieses Vorhaben fiel während der Haushaltberatungen im März etwas überraschend den Einsparungsbemühungen des Gemeinderats zum Opfer.

Der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Thaddäus Kunzmann ging in seiner kurzen Ansprache auf eine Pressemitteilung der SPD ein, in der die ablehnende Haltung damit begründet wurde, in einer angespannten Haushaltsituation Geld für Schulhaussanierungen sichern zu wollen.

Die Gebäudewirtschaft Nürtingen, so Kunzmann, könne planerisch gar nicht alle notwendigen Maßnahmen in kürzester Zeit stemmen, weshalb mittelfristig genügend Mittel für die Fußgängerzone wie auch für Schulbauten vorhanden seien.

Für den Schillerplatz gibt es eine ausgearbeitete Planung des Büros bmh Bresch Henne Mühlinghaus, das im vergangenen Jahr als Sieger aus einem Wettbewerbsverfahren hervorging. Für die Pläne gab es viel Lob im Gemeinderat, doch wurden dort und in der Bürgerschaft auch einige kritische Stimmen laut. Manche stoßen sich daran, dass Bäume geopfert werden sollen, andere haben Bedenken zu der Umgestaltung des Brunnens.

Professor Sigurd Henne von bhm gab dazu am Montagabend nochmals Erläuterungen. Man wolle den Blick auf die Kreuzkirche freimachen, die Bäume ersetze man in nahezu derselben Zahl, doch näher in Richtung Volksbank. Auch wähle man eine Baumart, die innerstädtisch und mit Blick auf den Klimawandel widerstandsfähiger sei. Für den Brunnen ist geplant, ihn ebenerdig begehbar zu machen, in einer auch für Kleinkinder sicheren Wassertiefe. Tagsüber soll die Wasserfläche reduziert, abends dafür umso ausgedehnter sein. So gewinne man am Tag Verkehrsfläche, während man nachts in Kombination mit einem Beleuchtungskonzept für den Platz, den Brunnen und die Kreuzkirche einen attraktiven Anziehungspunkt schaffe.

Der Brunnen soll auch mehr ins Zentrum des Platzes rücken und so von allen Seiten her mehr Blickbeziehungen freigeben. Um Bäume Richtung Volksbank zu erhalten, sollen sie in eine Plattform eingebunden werden, die auch die Kirche als kulturelles Zentrum mehr hervorhebe. Eine funktionale und um die Kirche herum auch lebendige Belagsgestaltung sollen den Eindruck einer großzügigen Fläche mit Aufenthaltsqualität unterstreichen.

Geplant sind weitere Elemente wie Sitzgelegenheiten aus Beton und aus Holz, letztere könnten zu einer kleinen Bühne zusammengeschoben werden. Eine digitale Anzeige soll den Infokasten vor der Kirche ersetzen, auch eine öffentliche Toilette ist im Konzept vorgesehen. Je nachdem, was verwirklicht wird, bewege sich der Kostenrahmen zwischen 2,9 und 3,5 Millionen Euro. Die bisher im Haushalt eingeplante Summe beläuft sich auf 2,4 Millionen Euro.

Sanierung des Brunnens steht ohnehin an

Ob die Versetzung des Brunnens zu erheblichen Mehrkosten führe, wie aus dem Publikum nachgefragt wurde, verneinte Henne: „An den Brunnen hätte man ohnehin ran müssen, die Technik ist nicht mehr tauglich und auch ansonsten ist er stark sanierungsbedürftig.“ Im Übrigen sei der Künstler, der den Brunnen geschaffen habe, von den Umgestaltungsplänen angetan.

Die Teilnehmer auf dem Podium waren sich einig, dass mehr denn je neben einem attraktiven Warenangebot eine erlebnisreiche Innenstadt über den Publikumszuspruch entscheidet. Henne dazu: „Wer in die Innenstadt kommt, will gesehen werden und Leute treffen.“ Gudrun Klopfer, die Geschäftsführerin von Citymarketing, bestätigte: „In Zeiten des digitalen Handels kommen die Leute nicht mehr nur wegen des Einkaufs in die Stadt.“ Vielmehr gehe es um das Flair, um das Besondere. Dazu gehöre Aufenthaltsqualität, aber auch die Kooperation von Handel, Gastronomie und Stadtmarketing. Kleine Bistros und gute Gastronomie gehörten ebenso dazu wie Veranstaltungen unter verschiedenen Themen. An diesem Punkt hakte Martin Dahl ein, Vorsitzender des Vereins Citymarketing und Betreiber der Zentralbar auf dem Platz der Stadthalle K3N: „Veranstaltungen im Freien sind alleine schon wegen der fehlenden technischen Infrastruktur um den Schillerplatz herum kaum vernünftig zu stemmen.“

Frank Schweizer, der mehrere Mode- und Bekleidungsgeschäfte in Nürtingen betreibt, bestätigt ein gutes Geschäft an Veranstaltungstagen, mahnt jedoch an: „Die Stadt muss aber auch unter der Woche attraktiv sein.“ Dazu könne eine ansprechende Fußgängerzone beitragen, zumal sie für Betreiber von besonderen gastronomischen Angeboten interessant werde.

Carolin Deberling, stellvertretende Geschäftsführerin von „Gruppe Drei“, einem Büro aus Villingen-Schwennigen, das derzeit die weiteren Voraussetzungen für ein Stadtmarketing-Konzept für Nürtingen analysiert, attestierte der Stadt Potenzial: „Der Fluss, die historische Altstadt und nicht zuletzt die Hochschule mit ihren jungen Menschen bieten vielfältige Chance, die es zu nutzen gilt.“ Bärbel Igel-Goll, Nürtingens Amtsleiterin für Stadtmarketing, Wirtschaft und Tourismus, merkte an, dass Investitionen in eine attraktive Innenstadt nicht nur dem Handel zugutekommen. „Das macht uns mit Blick auf die Konkurrenz zu anderen Mittelzentren attraktiv als Wohn- und Arbeitsort und ermöglicht wiederum den Ausbau der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Infrastruktur.“

CDU-Podiumsdiskussion 11. Juni 2018